Untapped Generation: Warum Marketing die Zielgruppe 50+ neu entdecken muss

Sarah Schwarzinger

Sarah Schwarzinger

Strategy & Business Innovation Manager, Mediaplus Austria

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Während alle über Gen Z sprechen, wächst eine andere Zielgruppe zur Marktmacht. Marketing richtet seinen Blick gerne nach vorne. Neue Generationen, neue Trends, neue Codes. Begriffe wie Gen Z oder Gen Alpha prägen Strategien, Kampagnen und Diskussionen in der Branche.

Währenddessen verändert sich der Markt an anderer Stelle deutlich stärker. Unsere Gesellschaft wird älter. Und mit ihr wächst eine Konsument:innengruppe, die in vielen Marketingstrategien weiterhin erstaunlich wenig Beachtung findet.

In Österreich liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung heute bei rund 43,8 Jahren. Gleichzeitig steigt der Anteil der Menschen über 65 kontinuierlich. Laut Bevölkerungsprognose wird diese Altersgruppe bis 2040 mehr als ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Damit wächst eine Zielgruppe, die nicht nur größer wird, sondern auch über Zeit, Erfahrung und Kaufkraft verfügt.

Alter ist heute eine aktive Lebensphase

Das Bild vom Alter hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Lebensphasen verschieben sich, Gesundheit verbessert sich und Menschen bleiben länger aktiv. Mit 65 Jahren haben Menschen in Österreich heute noch rund zwei weitere Jahrzehnte Lebenserwartung vor sich. Im Durchschnitt sind das 18,4 Jahre für Männer und 21,6 Jahre für Frauen.
Viele dieser Jahre werden bewusst gestaltet. Reisen, Weiterbildung, kulturelle Aktivitäten oder neue berufliche Projekte gehören für viele Menschen zur Realität dieser Lebensphase. Alter bedeutet heute daher nicht automatisch Rückzug. Für viele beginnt eine Phase mit mehr Zeit, neuen Prioritäten und größerer Entscheidungsfreiheit.

Eine Zielgruppe mit stabiler Kaufkraft

Neben der demografischen Entwicklung spielt auch die wirtschaftliche Dimension eine wichtige Rolle. Viele Menschen erreichen die zweite Lebenshälfte mit gefestigter finanzieller Situation. Immobilien sind abbezahlt, Kinder stehen auf eigenen Beinen und Einkommen oder Vermögen haben sich über Jahrzehnte aufgebaut.

Zugleich bleiben Menschen länger im Arbeitsleben. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen liegt in Österreich mittlerweile bei rund 58,8% und ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Diese Kombination aus Einkommen, Vermögen und Zeit macht ältere Konsument:innen zu einer wirtschaftlich relevanten Zielgruppe. Trotzdem spielen sie in vielen Marketingstrategien eine kleinere Rolle, als ihre Bedeutung vermuten lässt.

Digitaler Alltag statt analoger Ausnahme

Ein weiterer Grund für diese Unterschätzung liegt in einem verbreiteten Missverständnis rund um Mediennutzung. Ältere Zielgruppen gelten oft als schwer digital erreichbar.Die Zahlen zeigen ein anderes Bild. Laut Statistik Austria nutzen 93% der 55- bis 64-Jährigen und auch 79% der 65- bis 74-Jährigen das Internet. Digitale Anwendungen gehören für viele längst zum Alltag. Online-Banking, Messaging, Streaming oder Online-Shopping werden selbstverständlich genutzt.

Gleichzeitig behalten klassische Medien eine wichtige Rolle. Viele ältere Nutzer:innen kombinieren Fernsehen, Radio oder Print mit digitalen Plattformen. Für Marken entsteht daraus eine interessante Medienrealität mit hoher Reichweite und vielfältigen Kontaktpunkten.

Warum Marketing diese Zielgruppe häufig übersieht

Dass diese Konsument:innen trotz ihrer Größe vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten, hat mehrere Gründe. Ein Faktor liegt in der Logik vieler Innovationsdiskussionen. Trends entstehen oft bei jungen Zielgruppen und werden deshalb auch dort besonders intensiv beobachtet.

Hinzu kommt eine strukturelle Besonderheit der Branche selbst. In Werbe- und Mediaagenturen arbeiten überdurchschnittlich viele junge Menschen. Strategien, Kampagnen und kulturelle Codes entstehen dadurch häufig aus der Perspektive einer vergleichsweise jungen Lebenswelt. Das beeinflusst, welche Zielgruppen intuitiv im Mittelpunkt stehen.

Auch stereotype Altersbilder spielen eine Rolle. Werbung zeigt ältere Menschen häufig in sehr engen Rollenbildern. Entweder als gesundheitlich eingeschränkt oder als ruhestandsorientiert. Beide Darstellungen greifen für viele Menschen über 50 zu kurz.

Neue Perspektiven auf Zielgruppen

Der demografische Wandel fordert Marketing heraus, Zielgruppen differenzierter zu betrachten. Alter allein sagt immer weniger über Lebensstil, Interessen oder Konsumverhalten aus.

Menschen in ihren Fünfzigern oder Sechzigern unterscheiden sich heute stark voneinander. Berufliche Situation, Gesundheit, Familienstruktur, Freizeitinteressen oder digitale Kompetenz prägen den Alltag stärker als das Geburtsjahr.

Für Marken bedeutet das, Zielgruppen stärker über Lebensrealitäten zu verstehen. Wer Bedürfnisse, Interessen und Nutzungssituationen in den Mittelpunkt stellt, erreicht Menschen über Altersgrenzen hinweg relevanter.

 

Kommunikation ohne Altersklischees

Gerade in der Kommunikation liegt großes Potenzial. Authentische Darstellungen älterer Menschen sind in vielen Branchen noch selten.

Marken, die diese Zielgruppe ernst nehmen, verzichten auf stereotype Bilder und zeigen Menschen in realistischen Lebenssituationen. Aktiv, interessiert, selbstbestimmt und mitten im Alltag.

Solche Perspektiven schaffen Nähe und Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig eröffnen sie Marken die Möglichkeit, sich kommunikativ vom Wettbewerb zu unterscheiden.

 

Fazit

Der Fokus auf junge Zielgruppen bleibt wichtig. Gleichzeitig verändert der demografische Wandel Märkte nachhaltig. Immer mehr Menschen leben länger, bleiben aktiv und verfügen über stabile Kaufkraft. Für Marketing bedeutet das vor allem eines. Zielgruppen müssen breiter gedacht werden. Nicht nur entlang von Altersgrenzen, sondern entlang von Lebensrealitäten.

Wer diese Entwicklung früh versteht, kann Strategien entwickeln, die dem Markt der Zukunft näherkommen. Denn die Konsument:innen von morgen sind nicht nur jung. Sie sind vor allem vielfältiger als viele Zielgruppenmodelle es heute noch abbilden.

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Sarah Schwarzinger
Mediaplus Austria
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