Julia Zimmermann

Julia Zimmermann

Managing Partner, Future Marketing

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Seien wir ehrlich: CMO zu sein war noch nie einfach. Doch mit Blick auf 2026 wird die Rolle geradezu paradox. Einerseits wird von ihnen erwartet, ihre Marke durch den größten technologischen Wandel seit Generationen zu führen. Andererseits sind sie Hüter:innen von Kreativität, menschlichem Verständnis und Markenemotion. Doch wie lassen sich diese beiden Welten miteinander vereinbaren?

Im Rahmen unserer aktuellen CMO Barometer Studie für 2026, die wir in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen und Heidrick & Struggles durchgeführt haben, haben wir 805 Marketingverantwortliche aus 15 Ländern und Regionen befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Die Rolle des CMOs wird gerade grundlegend neu geschrieben.

Das Zeitalter der CMO-Transformer:innen

68% der CMOs weltweit glauben, dass KI das prägende Thema des Jahres 2026 sein wird. Allerdings nicht als Trend oder Tool, sondern als etwas Größeres: eine strukturelle Transformation. Denn sie verändert, was Marketingverantwortliche wissen müssen, was sie tun – und wofür sie stehen.

Erstmals seit Beginn unserer Erhebungen bewerteten CMOs digitale und technologische Kompetenzen (45%) als wichtigste Fähigkeit für das kommende Jahr – noch vor Leadership und Teamführung. Ein:e CMO ist nicht länger nur Markenarchitekt:in oder Storyteller:in, sondern wird zur Architekt:in des Wandels. Oder anders gesagt: CMOs werden zu „inoffiziellen CTOs mit Storytelling-Kompetenz“, während Kreativität und Originalität weiterhin die wichtigsten Erwartungen an Agenturpartner bleiben.

Mit anderen Worten: Die Marketingfunktion wird nicht einfacher. Sie dehnt sich in beide Richtungen aus. Sie sollen die Zukunft gestalten, ohne die Magie der Vergangenheit zu verlieren.

Europa zieht nach, aber differenziert

In Europa vollzieht sich diese Transformation mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. In Deutschland, den Niederlanden und Italien steht KI ganz oben auf der Agenda. In Märkten wie Frankreich und der Schweiz legen Marketeers jedoch ebenso großen Wert auf Customer Experience und ROI-getriebenes Data Marketing. In Großbritannien wiederum priorisieren CMOs sowohl internationale Expansion als auch Personalisierung.

Unabhängig von ihren individuellen Schwerpunkten für 2026 eint sie eines: CMOs stehen unter Druck, sich neu zu positionieren. Nicht nur als Kommunikator:innen, sondern als bereichsübergreifende Führungskräfte, die Performance, Plattformen und widersprüchliche Ziele zusammenbringen können.

Die drei Paradoxien, die CMOs meistern müssen

Die Daten zeigen klar: Es braucht einen Mindset-Shift. Moderne Marketingführung bewegt sich entlang drei zentraler Spannungsfelder:

  1. KI vs. menschliche Authentizität
    CMOs müssen KI nutzen, um zu personalisieren, zu optimieren und vor allem zu skalieren. Gleichzeitig müssen sie den emotionalen Kern ihrer Marke konsequent schützen. Die Erfolgsformel? KI einsetzen, um Reibung zu reduzieren und Raum für echte menschliche Verbindung zu schaffen. Stichwort: Co-Creation statt Replacement.
  2. Geschwindigkeit vs. Strategie
    In Marketingabteilungen tickt die Uhr immer schneller. Doch Geschwindigkeit ohne Strategie führt zu Ineffizienz. CMOs müssen agile Systeme aufbauen, die schnelle Umsetzung und strategische Disziplin ermöglichen. Das heißt: in smartere MarTech-Stacks investieren, nicht nur in größere, und dabei klare Rollen sowie Prozesse schaffen.
  3. Kreativität vs. Accountability
    Brand Storytelling ist weiterhin enorm wichtig. Sichtbarkeit und Relevanz sind entscheidend, wenn Algorithmen bestimmen, was bevorzugt ausgespielt wird. Gleichzeitig gilt es, den Wert von Marketing zu belegen. Wer 2026 erfolgreich sein will, übersetzt Kreativität in ROI – oder ROAI – und zwar in einer Sprache, die auch CFOs verstehen.

Was sollten CMOs mit Blick auf 2026 tun?

Vier konkrete Schritte, um sich auf die kommenden Paradoxien vorzubereiten:

  1. Ihre KI-Kompetenz stärken.
    Nicht nur auf Tool-Ebene, sondern im Denken. Verstehen Sie, was KI kann und was nicht. Testen Sie sie in geschützten Räumen. Definieren Sie, wie Sie Teamrollen, Timings und kreative Prozesse verändert. Sie müssen nicht programmieren können. Aber Sie müssen mit Verständnis führen.
  2. Agenturpartnerschaften neu denken.
    Agenturen sind nicht länger reine Umsetzer, sondern Transformationspartner – der Name sagt es bereits. Nutzen Sie sie, um Ideen zu challengen, blinde Flecken aufzudecken und zukünftige Workflows gemeinsam zu gestalten. Fragen Sie nicht nur: „Was könnt ihr für uns kreieren?“, sondern auch: „Wie helft ihr uns, uns weiterzuentwickeln?“
  3. Näher an den CFO rücken.
    Budgetunsicherheit ist Realität: Nur 32% der CMOs erwarten für 2026 steigende Budgets. Um Ressourcen zu sichern und auszubauen, muss Marketing klar mit dem Business Value verknüpft werden. Das bedeutet, über Vanity Metrics hinauszugehen und Markenarbeit mit Verhaltensänderung, Kundenbindung und Umsatzstabilität zu verbinden.
  4. Kultur in den Fokus rücken.
    Bei aller Technologiediskussion darf nicht vergessen werden, was Teams wirklich antreibt: Kultur, Klarheit und Sinn. In hybriden und globalen Teams ist das wichtiger denn je. Klare Rollen und ethische Leitplanken sind in herausfordernden Zeiten essenziell. Sie schaffen Ausrichtung und Motivation. Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeitenden nicht nur wissen, was Sie tun, sondern auch warum.

Die gute Nachricht? Sie sind nicht allein.

Die CMOs, die wir befragt haben, stehen vor denselben Spannungsfeldern. Und mehr denn je suchen sie den Austausch mit Peers, Kolleg:innen und Partner:innen, um gemeinsam Orientierung zu finden.

Die Rolle ist komplex, ja. Aber sie ist auch einflussreicher denn je. CMOs bewegen sich heute an der Schnittstelle von Commerce, Kultur und Code. Und diejenigen, die diese Komplexität annehmen, werden nicht nur Kampagnen prägen, sondern ganze Unternehmen.

Wenn sich also alles widersprüchlich anfühlt: Sie sind nicht zu spät dran. Sie sind genau dort, wo die Zukunft gerade entsteht.

Über das CMO Barometer

Das CMO Barometer ist eine jährlich durchgeführte Studie, in der die Top-Marketeers der wichtigsten Unternehmen in 14 europäischen Ländern sowie Middle East befragt werden. Es wird bereits seit sieben Jahren von der Serviceplan Group in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen (HSG) und der Personalberatungsagentur Heidrick & Struggles erhoben.

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Sebastian Bayer
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