„Ich wünsche mir, dass meine Kinder Respekt vor der Natur entwickeln.“
Felix Bartels, CMO
Felix, du baust Bio‑Gemüse an, hältst Hühner, machst eigene Würste und pflegst einen Familiengarten – wie ist es dazu gekommen?
Felix: Das liegt eigentlich schon seit meiner Kindheit in mir, ist aber erst vor ein paar Jahren wieder richtig an die Oberfläche gekommen. Ich bin mit vier Geschwistern in einem bayerischen Dorf aufgewachsen und hatte immer eine enge Verbindung zur Natur und zu Tieren. Wir hatten Hunde, Katzen, Pferde und Geflügel – das hat mich sehr geprägt.
Als meine Frau und ich nach zehn Jahren in München wieder aufs Land gezogen sind, habe ich gemerkt, wie sehr mir genau diese Nähe zur Natur und das „Draußen‑sein“ im Erdreich gefehlt haben. Den letzten Anstoß, selbst Gemüse anzubauen, gab dann die Geburt unserer ersten Tochter.
Ging es dir dabei auch darum, deinen Kindern ähnliche Werte zu vermitteln wie die, mit denen du aufgewachsen bist?
Felix: Ja, auf jeden Fall. Ich habe da eine vielleicht etwas romantische Vorstellung davon, dass sie dadurch ein besseres Verständnis für den Zusammenhang zwischen Natur und unserer Nahrung entwickeln. Dass Lebensmittel eben nicht perfekt verpackt und makellos aus dem Supermarktregal kommen, sondern dass man Respekt vor der Natur haben sollte – und dass frisches Gemüse auf dem Tisch keine Selbstverständlichkeit ist.
Ebenso wichtig ist mir, dass sie lernen, dass Äpfel oder Gurken mit kleinen braunen Stellen, Dellen oder Macken völlig in Ordnung sind – selbst wenn Vögel schon daran gepickt haben oder sie nicht der „Norm“ entsprechen. Dieses Verständnis entwickelt sich viel besser, wenn man es selbst erlebt und nicht nur darüber spricht.
Es gibt Jahre, in denen Hagel, Frost oder Schädlinge die Ernte teilweise oder komplett zerstören. Und fast jedes Jahr greift ein Habicht eines unserer Hühner an – dann muss ich das Tier erlösen. Wer anbaut, braucht Geduld und muss lernen, mit Verlusten umzugehen.
Gleichzeitig gibt es diese wunderbaren Momente, wenn alles klappt: wenn die Kinder Tomaten direkt von der Pflanze essen oder Beeren vom Strauch pflücken. Mit den Tieren haben sie unglaublich viel Spaß. Die Hühner bekommen fast täglich neue Namen und werden trainiert – bislang allerdings ohne großen Erfolg.
All das zeigt sehr eindrücklich: Eine gute Ernte braucht Einsatz, Zeit und auch etwas Glück. Und wie wichtig es ist, wie wir mit der Natur umgehen. Mir ist außerdem wichtig, dass meine drei Kinder verstehen, wie viel Arbeit selbst hinter ein paar Salaten oder Mahlzeiten steckt – und dass die Jahreszeiten nun mal bestimmen, welche Lebensmittel verfügbar sind.
Dein Gartenprojekt trägt also sichtbar Früchte …
Felix: Definitiv. Wir alle – nicht nur die Kinder – haben heute ein viel besseres Verständnis für den Kreislauf der Natur und die Bedeutung jedes einzelnen Lebewesens.
Mein Sohn hilft mit seiner kleinen Schubkarre beim Umgraben, meine Tochter holt Mist aus dem Pferdestall als Dünger, und mein jüngstes Kind genießt bislang vor allem die fertigen Ergebnisse.
Die Kinder sehen mit eigenen Augen, was in der Natur passiert. Sie wissen, wo ihr Essen herkommt, lernen verschiedene Pflanzenarten zu erkennen – selbst wenn sie gerade keine Früchte tragen – und übernehmen nach und nach Verantwortung für die Tiere. Das zu beobachten, macht mich wirklich glücklich
Trotz deiner Kindheitserfahrungen – war der eigene Garten auch für dich ein Lernprozess?
Felix: Zum Glück ist es ein dauerhafter Lernprozess. Und manchmal auch eine echte Herausforderung – mal harte Arbeit, mal ein großer Spaß.
Zum Beispiel damals, als meine ersten Hühner sich geweigert haben, abends in den Stall zu gehen und stattdessen auf einen Baum geflogen sind. Nach der Arbeit bin ich dann mit Stirnlampe losgezogen und auf den Baum geklettert, um sie herunterzuholen – sehr zur Freude meines Nachbarn. Der Typ mit der Taschenlampe im Baum war schnell Gesprächsthema im Dorf. Aber genau das mag ich daran: diese Unvorhersehbarkeit. In der Natur läuft einfach nie alles nach Plan.
Hilft dir diese Nähe zur Natur auch, deinen Job mit anderen Augen zu sehen?
Felix: Absolut. Der Garten ist für mich ein wichtiger Rückzugsort. Wenn es im Job stressig wird oder ich mich über etwas verrenne, denke ich mir oft: Geh raus in den Garten – und schon sieht alles anders aus. Gleichzeitig ist der Garten so etwas wie ein zweiter Arbeitsplatz, an dem ich zur Ruhe komme und mit meinen eigenen Händen etwas erschaffe. Ich versuche, alles selbst zu machen: Ich habe einen Regenwassertank gebaut, Hochbeete angelegt und sogar unseren Hühnerstall selbst gebaut. Die Gartenarbeit hat mich wieder daran erinnert, Dingen Zeit zu geben. Das ist auch im Job eine sehr wertvolle Lektion.
Hat der Garten dir also auch Erkenntnisse für deine Karriere geliefert?
Felix: Ja. Gemüse anzubauen und Tiere zu halten bedeutet, langfristig zu denken, geduldig zu sein – und trotzdem einfach mal anzufangen und kontinuierlich dazuzulernen. Es geht auch darum, Perspektiven zu wechseln. Ich habe heute zum Beispiel ein viel größeres Verständnis für Landwirt:innen, deren Existenz von Erträgen, Schädlingen, Raubtieren und dem respektvollen Umgang mit der Natur abhängt. Diese Prinzipien lassen sich durchaus auf Unternehmensführung übertragen. In meinem Job geht es um Stakeholder‑Management, auch international. Man muss flexibel sein, auf unvorhergesehene Veränderungen reagieren können – ohne dabei das langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren. Genau das bringt mir der Garten bei. Und ich glaube, es ist auch für die großartigen Menschen, mit denen ich arbeite, gut, dass ich diesen Ausgleich habe und dadurch die nötige Work‑Life‑Balance finde.
Welchen Rat würdest du Menschen geben, die selbst mit dem Gedanken spielen, Gemüse anzubauen?
Felix: Wer Tiere halten möchte, sollte sich wirklich gut vorbereiten – und nicht nur von einer romantischen Vorstellung ausgehen. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, Platz vorhanden sein, und auch das Umfeld sollte eingebunden sein. Was passiert zum Beispiel mit den Tieren, wenn man im Urlaub ist oder ein Wochenende nicht da? Was den Gemüseanbau angeht, gilt: einfach anfangen! Ausprobieren, ohne sich zu sehr auf das Ergebnis zu fixieren. Genau dieses „Einfach‑Loslegen“ kann unglaublich erfüllend sein.
Vielen Dank für das Gespräch, Felix!
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