Diese 10 Themen werden die Social-Media-Marketing-Welt 2026 beeinflussen

Daniel Hoffmann

Daniel Hoffmann

Managing Partner, TACSY

Linkedin profile

        

Als Geschäftsführer einer Social-Media-Agentur liebe ich ja Trend Reports. Denn spätestens im 4. Quartal klopfen die Kund:innen an und fragen nach, was denn im nächsten Jahr auf uns alle zukommt und wie man am besten „vor der Welle schwimmt“. Dass ein Großteil dieser Prognosen, die in diesen Artikel so findet, häufig nicht eintreten, ist ganz normal. Es zeichnen sich jedoch Entwicklungen ab, und von denen ich überzeugt bin, dass sie uns 2026 intensiv(er) beschäftigen werden.

1. Zunehmende Regulierung in Europa führt zu mehr Professionalisierung und Transparenz

EU-weite Gesetze wie der Digital Services Act, AI Act oder der Digital Fairness Act, sowie nationale Regelungen, sorgen zwar auf der einen Seite für einen komplexeren, aber auf der anderen Seite auch transparenteren Rechtsrahmen. KI-generierte Inhalte müssen klar offengelegt werden. Influencer:innen müssen alle incentivierten Inhalte unmissverständlich am Anfang des Inhalts als Werbung kennzeichnen, in Kurzvideos in jedem Frame. Sogenannte „Green Claims“, also Umweltaussagen, müssen belegbar sein.

Durch „Selbstregulierung“ und Zertifizierungen können Creator:innen jeglicher Fasson nicht nur in diesem Regulierungs-Dschungel bestehen, sondern auch viel Glaubwürdigkeit gewinnen, was wiederum eines der Qualitätsmerkmale ist.

2. LinkedIn wird zur Creator:innen Plattform

Nicht erst mit der Einführung des „Creator Mode“ dürfte klar sein, dass die Business Plattform voll auf Content Creator:innen setzt und sogar mit Monetarisierungsoptionen experimentiert. Denn auch im B2B-Sektor herrscht Bedarf an Fachwissen und glaubwürdige Inhalte. Thought Leader, Expert:innen, CEOs & Co. werden auf LinkedIn also eine immer größere Plattform erhalten und mit Formaten arbeiten können, die jenseits der klassischen Bild- und Videobeiträge bewegen werden.

3. Strava und die Social Sport Clubs bilden ihre eigene Mikrokosmen

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Relevanz Social Sport Clubs, vor allem im urbanen Raum, haben. Egal ob Running, Cycling (Social Rides) Roundnet oder Yoga – hier finden Gleichgesinnte schnell niederschwelligen Anschluss. Und wenn man mal Teil einer der Laufgruppen oder eines Rennrad-„Konvois“ ist, merkt man, wie schnell ein aktives soziales Netzwerk entstehen kann. Eine zentrale Rolle als digitaler Vernetzer der Clubs spielt dabei die Plattform Strava. Hier können sich die Gruppen organisieren und rekrutieren, Routen und Zeiten teilen, Ergebnisse kommentieren und vieles mehr.

Allein Social Sport Clubs bilden in Urbanen Hotspots extrem stark vernetzte Communities (digital und im Real Life), die für Marken hochinteressant sind, da sie exklusiven Zugang zu einer aktiven Nutzerschaft verschaffen können. Strava als Social-Media-Plattform sollte aber auch unabhängig von Sport Clubs im Auge behalten werden – hier sehe ich großes Entwicklungspotenzial.

4. Reddit wird DIE Trendplattform in 2026

Reddit genießt den Ruf, sehr „nischig“ zu sein. In den unzähligen „Subreddits“ (Foren) tauschen sich Userinnen und User bis ins kleinste Detail zu den verschiedensten Feldern aus. Von hochkomplexen Themen bis bspw. zur Sammlerleidenschaft, es gibt höchstwahrscheinlich zu allem, was die Menschheit bewegt, eine laufende, und oftmals auch detaillierte, aber auch kritische, humorvolle oder eben auch sarkastische Diskussion. Oft wird Reddit deshalb bisher auch als nicht „Brand Safe“ wahrgenommen. Die Plattform arbeitet an sich und bietet neuen. Die Plattform ist ein „Frühwarnsystem“ für (virale) Trends und hat das Potenzial, nicht nur Trendplattform, sondern auch zu DER Plattform für Trends zu werden.

5. Long Term-Video Content in 9:16 (vertikal) wird stärker zunehmen

Reels und Videos in 9:16 müssen möglichst kurz sein, um zu funktionieren, während längere Videos nur in 16:9 konsumiert werden? Das soll sich ändern – und hat es teilweise auch schon. TikTok erlaubt mittlerweile bis zu 10 Minuten, und ein YouTube Short darf bis zu drei Minuten lang sein. Für Creators bedeutet längerer Content mit entsprechender Retention mehr Einnahmen. Wer es hier also schafft, im vertikalen Format die Menschen zu fesseln, hält die Zuschauenden vom Weiterscrollen ab.

„Snackable“ Content in 9:16 wird auf den persönlichen For You Pages auch weitern essenziell sein. Aber dennoch wird das Hochformat auch für längere Inhalte immer attraktiver. Und möchte man beispielsweise eine „Social-Media-Serie“ veröffentlichen, kann man auf Instagram von Folge zu Folge (von Reel zu Reel) linken, ähnlich wie es auf YouTube über die Abspann-Elemente möglich ist. Während also Creators sich auf Mehreinnahmen freuen können, haben Brands die Möglichkeit, durch gutes Storytelling die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppen von wenigen Sekunden auf Minuten zu erhöhen.

6. Social Commerce wird immer relevanter und zu einem vollumfänglichen Shopping-Erlebnis

Shopping über Social Media wird immer mehr zu einem vollumfänglichen Einkaufserlebnis – und das ohne, dass User:innen die Plattformen verlassen müssen. Der Kaufprozess wird gänzlich in den Socials selbst stattfinden (sowie der After-Sales-Prozess), während den potenziellen Kund:innen mittels künstlicher Intelligenz Produkte hyper-personalisiert präsentiert werden (vielleicht sehen sich Nutzer:innen selbst hinter dem Steuer eines neuen Automodells im Spot oder mit in einem freshen Look aus der neuen Kollektion einer Modekette).

Während der zweite Teil evtl. noch etwas nach Zukunftsmusik klingt (eher aus rechtlicher und weniger aus technischer Perspektive), liegt für mich auf der Hand, dass Social Commerce zu einem ganzheitlichen, digitalen Einkaufserlaubnis wird, dass mit authentischen Inhalten (auch via Live-Shopping) mit hoher Glaubwürdigkeit und perspektivisch auch personalisierter Produktpräsentation inkl. AR/VR) auf der einen, und von einem smoothen Kaufprozess auf der anderen Seite, begeistern wird.

7. Künstliche Intelligenz und Automatisierung werden dominieren

Ganz ehrlich: KI und Automatisierungen nehmen Creators, Agenturen und Marken viel Arbeit ab und bringen Geschwindigkeit rein – und das ist auch gut so. Gerade in der Postproduktion kann viel Zeit gespart werden, wenn man KI bewusst und gekonnt einzusetzen weiß. Und auch die kreativen Möglichkeiten werden immer weniger Grenzen gesetzt. Automatisierung von Kundeninteraktionen stellen im Idealfall auch eine Win-Win-Situation dar. Die Rede ist aber auch von Accounts mit 100 % KI-generierten Inhalten. Von diesen gibt es jeden Tag mehr, und die BesitzerInnen zielen meist darauf ab, die Inhalte zu monetarisieren (Werbeeinnahmen durch die Plattformen).

8. Keine Lust mehr auf Hochglanz und KI-Inhalte: authentische Inhalte und menschliche Creators werden (wieder) den stärksten Impact haben

Am Ende wird weiterhin der Mensch im Mittelpunkt stehen und den stärksten Einfluss auf die User:innen haben. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass aufgrund der schieren Menge an KI-Content und Hochglanz-Inhalte von Creators, eine gewisse „Müdigkeit“ einsetzen wird, und einfache, „handgemachte“ Inhalte (wieder) relevanter werden.

9. Sportlerinnen und Sportler werden zu „Influencer:innen mit sportlichem Background“

Okay, nur halb ernst gemeint, aber trotzdem eine Entwicklung, die uns beschäftigen wird. Während für Sportlerinnen und Sportler aus Nischensportarten der Erfolg auf Social Media die sportliche Existenz finanzieren kann, wird eine starke Präsenz für Profisportler:innen mit Millionen-Einkommen zum Garanten für langfristigen Erfolg. Sportler:innen, die das Social-Media-Game beherrschen, bauen sich mit ihren Follower:innen ihre Altersvorsorge auf. Marken werden diese "Influencer:innen mit sportlichem Background" noch intensiver für Partnerschaften suchen. Gerade nach ihrer aktiven Karriere bieten sie eine kontinuierliche, vertrauenswürdige Plattform mit einer loyalen Fangemeinde. Der Zugang zu diesen Persönlichkeiten wird oft einfacher und die Partnerschaft kann langfristiger und tiefer gestaltet werden, was für Marken von unschätzbarem Wert ist. „Sportliche Influencer:innen" sind somit nicht nur ein Trend, sondern eine Evolution der Markenkommunikation, die das Beste aus Sport und Social Media vereint.

10. Streaming-Anbieter und Social Media verschmelzen zu einem unschlagbaren Duo: Bist du Team Conrad oder Team Jeremiah?

Von wegen „nur ein Promo-Kanal“: Streaming-Anbieter und Social Media wachsen immer weiter zu einem symbiotischen System zusammen. Daumen hoch, Daumen runter: Soziale Plattformen werden zum entscheidenden Resonanzraum für Serien und was hier gehyped wird, gewinnt. Momente aus Shows werden zu globalen Phänomenen, angetrieben durch die aktive Fan-Community, die wiederum neue User:innen auf die Plattformen führen.

Von "Stranger Things“, “Wednesday“, „The Summer I turned pretty“ – Fans diskutieren Charaktere, entwickeln Theorien, kreieren Memes, posten Fan-Art und nehmen an Challenges teil. Diese organische Reichweite verlängert nicht nur die Relevanz einer Serie weit über ihre Veröffentlichung hinaus, sondern dient auch als Treiber für die Akquise neuer Zuschauer:innen. Dieses Zusammenspiel sollten Marken 2026 besonders auf dem Schirm haben, um auf dem „Hype-Train“ einer Serie offiziell wie inoffiziell mitzufahren.

Fazit

2026 wird komplexer, datengetriebener, regulierter und gleichzeitig wieder authentischer als jemals zuvor.

Mehr Künstliche Intelligenz auf der einen Seite, mehr handgemachter Content auf der anderen. Ich persönliche freue mich über die Professionalisierung und Regulierung, neue technische Möglichkeiten, aber vor allem weiterhin darauf, mit echten Menschen Content und Formate für Menschen zu kreieren, die für ihre Themen begeistert werden wollen.

Zuerst erschienen in Horizont. 

Das könnte Sie auch interessieren: